Hat hier jemand Rabbuni gesehen?

4 Szenen 130 x100cm
Fine Art Prints
kaschiert auf AluDibond

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt im Christentum viele Formen sich mit Gott auseinanderzusetzen: Gebete, Messfeiern, Meditation, Bibellesen. Eine ganz spezifische Art sich mit der Bibel auseinanderzusetzen ist das szenische Spielen einzelner Textpassagen. Die TeilnehmerInnen sind dabei nicht an Wirkung für ein Publikum interessiert, sondern kommen durch die Identifikation mit einer biblischen Rolle mit sich selbst und mit der Dynamik des Textes in Berührung. Das Ziel ist ein innerliches Nachvollziehen einer Bibelstelle durch eine äußere Darstellung.

Die innere Auseinandersetzung mit Gott hinterlässt Spuren in unserer äußeren Welt und diese Hinweise halte ich fotografisch fest. Ich kann das Unsichtbare nicht zeigen, aber ich kann seine Wirkung sichtbar machen. Das ist so wie bei einer Computertomographie: sie zeigt Bilder unserer Hirnaktivitäten, nicht aber die Gedanken und Bilder, die unser Hirn produziert.

 

Für „Hat hier jemand Rabbuni gesehen?“ habe ich an zwei Abenden eine Bibliodrama-Runde ins Studio gebeten und mit einem schwarzen Tuch den Hintergrund gestaltet. In den Ablauf des Bibliodramas habe ich nicht eingegriffen. Die so entstandenen Bilder sind für die Betroffenen Abbilder ihres Erlebens, persönliche Erinnerungsstücke. Für Außenstehende entwickeln sie ein Eigenleben. Der Ablauf des Bibliodramas und die behandelten Themen sind nicht mehr nachvollziehbar. Die Reportage ist aufgelöst, sie erfüllt ihren Dienst der Nachvollziehbarkeit nicht mehr. Wird durch die Abstraktion des Kontextes die Auseinandersetzung mit Gott sichtbarer oder unverständlicher? Eignen sich die Bilder jetzt als Projektionsflächen für unsere eigenen Bilder von Spiritualität? Oder geht es auf einmal um völlig andere Themen?