Quotengericht.
Wer beobachtet die Beobachter?

In früheren Zeiten wurde noch darüber diskutiert, welches Gremium wieviel Frauen verträgt, braucht oder verdient. Das Schreckgespenst der Quote ging um. Die anhaltende Dauer der ergebnislosen Diskussion darüber, Digitalisierung, Wirtschaftskrise und Flüchtlingswelle haben das Thema an den Rand gedrängt. Ich hätte mir gewünscht, dass zumindest irgendjemand Gericht sitzt über die Quote. Aber nein, bereits die Frage nach der Quote ist nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Auch die Medien - einst moralische Instanz des globalen Dorfes in dieser Frage - haben nachgelassen. Die Reflexion der Situation in der Redaktion ist damit auch abgehakt. Im radikalen Umbruch der Geschäftsmodelle steht es nicht mehr zu Debatte, ob ein Mann oder eine Frau die Geschichte schreibt, sondern ob sie ein Mensch oder eine Maschine schreibt. Die innovative Weiterentwicklung medialer Strukturen könnte die Quote durchaus vertragen. Im politischen Diskurs ist Pluralismus die beste Waffe gegen Populismus, die konsequente und lebendige Umsetzung von Vielfalt, wenn es sein muss auch über die Quote. Doch die Quote hat ihre Gerichtsbarkeit verloren. Vielleicht wird man sie eines Tages auf den Speiseplänen wiederfinden. Das oberste Quotengericht hat sich zu ersten Beratungen zurückgezogen.


       
               
               
                 
                 
 

         
           

30 Reportagefotografien (30x45, Fine Art Papier)
5 bearbeitete Reportagefotografien (50x70, Fine Art Papier)
1 bearbeiteter Standard von 22./23. Oktober 2016
Installation November 2016 im Club Alpha